Glossar
Temperatur
Die Temperatur ist eine Einstellung, die steuert, wie vorhersehbar oder experimentierfreudig eine KI formuliert. Niedrig: konsistente, sichere Antworten. Hoch: abwechslungsreiche, kreative Antworten, und etwas mehr Unsinn.
Im Hintergrund wählt ein LLM nie einfach „das nächste Wort“; es bewertet viele Kandidaten gleichzeitig. Die Temperatur entscheidet, wie es unter ihnen auswählt. Nahe null: immer die sicherste Wahl, sodass dieselbe Frage fast immer dieselbe Antwort liefert. Höher: auch ungewöhnliche Wörter bekommen eine echte Chance, Antworten werden vielfältiger und überraschender.
Stell dir zwei Köche vor. Niedrige Temperatur ist der Koch, der das Rezept grammgenau befolgt: ideal, wenn eine Rechnungszusammenfassung korrekt und reproduzierbar sein muss. Hohe Temperatur ist der Koch, der improvisiert: genau der Richtige für „gib mir zehn ausgefallene Namen für meine Eissorte“, aber der Falsche für die Steuererklärung.
In normalen Chat-Apps wie ChatGPT oder Claude kannst du die Temperatur nicht selbst einstellen; die Plattform wählt sinnvolle Werte für dich. Es ist ein Regler für Entwicklerinnen und Entwickler, die die API nutzen. Trotzdem lohnt es sich, den Begriff zu kennen: Er erklärt, warum derselbe Prompt jedes Mal etwas andere Antworten liefert, und warum „neu generieren“ eine völlig legitime Strategie ist.
Im Deutschen fällt eine hohe Temperatur schneller auf als im Englischen. Unsere Sprache lebt von zusammengesetzten Substantiven, und ein Modell, das freier würfelt, baut dann Wörter wie „Rechnungsübersichtsdokumentation“: grammatisch möglich, aber so sagt es niemand. Bei deutschen Fachbegriffen, Rechtsbegriffen und Behördennamen lohnt der zweite Blick deshalb besonders.
Wo dir das begegnet
Als Schieberegler (typischerweise von 0 bis 1 oder 2) in den API-Playgrounds von OpenAI, Anthropic, Google und Mistral, in den Einstellungen von KI-Apps sowie in der Entwicklerdokumentation überall.